AKJ stat
Forschungsverbund DJI

Ausgangslage

Nachdem im letzten Jahrzehnt sowohl für die Kindertagesbetreuung als auch für die Hilfen zur Erziehung im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfestatistik ein überarbeitetes und den aktuellen Entwicklungen angepasstes Erhebungsinstrument entwickelt wurde, stand dieser Entwicklungsschritt für die Kinder- und Jugendarbeit schon länger an.

Bereits der Elfte Kinder- und Jugendbericht hatte auf die Notwendigkeit einer Überarbeitung dieses Teils der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik hingewiesen. Während sich für eine empirische Dauerbeobachtung der Kinder- und Jugendhilfe die überarbeiteten, differenzierten Instrumente zur Beobachtung der Kindertagesbetreuung und der Inanspruchnahme von Leistungen der Hilfen zur Erziehung in den letzten Jahren bewährt haben, weiß man auf der Basis der KJH-Statistik bis auf wenige Strukturdaten allenfalls in Ansätzen etwas über die Angebote der Kinder- und Jugendarbeit. Die bis 2008 durchgeführte Erhebung zu den öffentlich geförderten Maßnahmen hat allein schon organisatorisch in einigen Bundesländern kaum noch funktioniert, so dass es zu erheblichen Fehlerfassungen gekommen ist. Zudem basierte die Erhebung auf einem Erhebungskonzept aus den 1980er-Jahren.

Die heutige Kinder- und Jugendarbeit ist aber eine gänzlich andere als die vor 30 Jahren, so dass Erhebungsmerkmale und Merkmalsausprägungen der Maßnahmenstatistik aus Zeiten vor dem SGB VIII sowie die Beschränkung auf Kinder- und Jugenderholungen, Maßnahmen der außerschulischen Jugendbildung, Angebote der internationalen Jugendarbeit sowie Mitarbeiter(innen)fortbildungen mit einer öffentlichen Förderung nicht mehr zeitgemäß waren. Des Weiteren wurden bei der bisherigen Maßnahmenstatistik die Kerngeschäfte der Kinder- und Jugendarbeit gänzlich außer Acht gelassen, also vor allem die Angebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit oder auch die Arbeit mit Kindern- und Jugendgruppen insbesondere bei den Kinder- und Jugendverbänden. Die logische Konsequenz war schließlich das Aussetzen der turnusmäßigen Erhebung der öffentlich geförderten Maßnahmen für das Erfassungsjahr 2012 durch den Bundesgesetzgeber.


Auf dem Weg zur Statistik – Heterogenität als Herausforderung

Das Aussetzen der Erhebung für das Jahr 2012 sollte für eine konzeptionelle Neuentwicklung genutzt werden. Vor diesem Hintergrund hat das Statistische Bundesamt Ende 2011 eine Projektstelle mit dem Auftrag eingerichtet, ein neues Erhebungskonzept für eine amtliche Statistik zur Kinder- und Jugendarbeit zu konzipieren. Damit verbunden waren die Entwicklung eines Erhebungsinstrumentes sowie das Erarbeiten eines organisatorischen Rahmens zur Durchführung der zukünftigen Erhebungen in den 16 Bundesländern durch die jeweiligen Statistischen Landesämter. Im Rahmen der Förderung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird dieses Vorhaben seitens der AKJStat wissenschaftlich begleitet, und zwar mit einem besonderen Fokus auf die Entwicklung eines Erhebungsinstrumentes. Für dieses Vorhaben unverzichtbar ist dabei nicht zuletzt der Dialog mit der „Fachszene“ der Kinder- und Jugendarbeit. Es war einerseits notwendig, „in die Kinder- und Jugendarbeit hineinzuhorchen“, um für das Arbeitsfeld relevante Fragestellungen, die im Rahmen einer amtlichen Statistik beantwortet werden können, herauszuarbeiten. Andererseits war es bereits bei der Entwicklung von zentraler Bedeutung, den Entwicklungsprozess einer amtlichen Statistik zur Kinder- und Jugendarbeit möglichst transparent mit immer wieder vorgesehenen Möglichkeiten der fachlichen Rückmeldung anzulegen. Dies dient einerseits der Qualitätssicherung für den Entwicklungsprozess, ist aber andererseits auch von Relevanz, um so früh wie möglich eine breite Akzeptanz für das Erhebungsinstrument zu erzeugen.

Eine Schwierigkeit für die Entwicklung eines Erhebungskonzeptes – aber im Übrigen auch der Organisation eines Erhebungsverfahrens – lag erwartungsgemäß in der Heterogenität des Feldes. Dies stellte an die Entwicklung eines bundesweiten Erhebungsinstrumentes erhebliche Anforderungen. Beispielhaft wird dies deutlich mit Blick auf Binnendifferenzierungen innerhalb des Arbeitsfeldes, aber vor allem auch hinsichtlich einer Vermessung der Übergänge zu anderen Bereichen des Bildungs-, Erziehungs- und Sozialwesens, beispielsweise zu schulbezogenen Angeboten oder auch zur Jugendsozialarbeit.

Auch vor diesem Hintergrund kann es nicht Anspruch einer bundesweiten amtlichen Statistik der öffentlich geförderten Angebote der Kinder- und Jugendarbeit sein, die Wirklichkeit in diesem pädagogischen Handlungsfeld eins zu eins abzubilden. Bei der Entwicklung eines Erhebungsinstrumentes wurden vielmehr Dimensionen und letztendlich Kategorien gefunden, die die Kinder- und Jugendarbeit in ihrer Ausdehnung, Reichweite sowie Ausdifferenzierung sichtbar machen, ohne dabei den Anspruch zu erheben, die Heterogenität des Arbeitsfeldes umfassend zu erfassen.